|

Wer
einem fahrenden Musikanten folgt, hat immer gewisse Vorteile: man
trifft alte Freunde wieder und findet neue Freunde, und die
Leichtigkeit aus Teenager Zeiten, die normaler Weise in uns
versteckt ist, kommt wieder zum Vorschein und man kann
außergewöhnliche Orte kennen lernen, die vorher unbekannt waren.
Lequio Berria ist einer davon: ein kleines Dorf mit 500 Einwohnern
schaut über das Tal der Langhe. Ein paar Häuser, eine Kirche und die
plötzliche, atemberaubende Aussicht auf grüne Hügel. Es ist ein
stilles Dorf, wie aus einer anderen Zeit, belebt von der Präsenz der
Einwohner: der nette Bürgermeister, der schon von uns gehört hat und
sofort einen „Ausländer“ erkennt, die nette Dame, die extra für uns
die Kunstgalerie geöffnet hat, die Angestellten des Hotels, die uns
trotz der Invasion der Touristen ein herzliches Willkommen bereitet
und unseren Aufenthalt komfortabel und, ich möchte sagen,
unvergesslich gestaltet haben. Und natürlich die Leute, mehr als 500
Leute, die von den nahen Vororten gekommen waren, erst schüchtern
und zurückhaltend, dann gerührt und dankbar.
Ursprünglich ein Keltisches Lager, wurde Lequio Berria ein Platz
für die Römer auf dem Weg zum Meer, eine Garnisonsstadt im
Mittelalter und der Geburtsort vieler Soldaten, die in den
Weltkriegen gefallen sind. Die alten Steine, Zeugen der Geschichte,
mit Holz Kunsthandwerk verknüpft, in der geheimnisvollen und
aufregenden Form, der Kunst von Francesco Pressenda, dem Schöpfer
von Saiteninstrumenten.
Angelo Branduardi wurde eingeladen, um dem Publikum den aufregenden
Klang einer historischen und wertvollen Violine von Pressenda zu
zeigen. Für das Dorf ist es ein wichtiges Ereignis und alle haben
intensiv mitgearbeitet. Der Hauptplatz wurde mit Stühlen bestückt ,geduldig
von jungen Mädchen mit Nummern versehen, kleine Stände bieten Brot
und Getränke an, überall ist Ordnung und Wärme. Freundlich öffnen
sie für uns die Sammlung von Kreidezeichnungen von Lequio Berria und
wir entdecken einen wahren Schatz: eine Ausstellung (einmalig in
unserem Land) von Arbeiten Russischer Künstler in einer Art
Partnerschaft mit Italien. Tatsächlich gibt es in Russland, in
Jaroslavl, eine Sammlung von Kreidezeichnungen Italienischer
Künstler. Eine Zusammenarbeit die gleichzeitig über eine Distanz von
über 4000 km geboren wurde – es ist toll! Sogar für uns
Branduardi-ans, die gewohnt sind, Entfernungen zwischen so vielen
Ländern zunichte zu machen.
Als Ang elo
und seine Musiker mit der Generalprobe fertig sind, fängt Lequio
Berria langsam an, sich mit Leuten zu füllen. Wir plaudern mit
Davide Ragazzoni, nett und lächelnd wie immer, wir probieren etwas
Wein (es wäre eine Sünde, es in diesem Dorf nicht zu tun) und
endlich kommt der Moment des Troubadour. Das Publikum ist gebannt,
ich glaube nicht, das es so ein Schauspiel erwartet hat. Tatsächlich
hat es nicht den Mut zu singen, als die Zeit zum Mitsingen kommt. Es
singt nicht viel, aber es gibt viel Applaus, auch im Stehen. Wie so
oft, schaffen die Passagen der Lauda eine bewegende und feierliche
Atmosphäre, aber in dem Moment, in dem der Klang der historischen
Violine auf dem Platz erklingt, so beschwörend und bewegend, waren
wir alle sprachlos und aufgeregt. Angelo ist offensichtlich auch
sehr bewegt, während er daran denkt, wie viele Leute schon vor ihm
diese Violine gespielt haben und es auch noch tun werden: das
Vorrübergehen so vieler Leben...und wenn es stimmt, das jede Geige
ein Stückchen von der Seele jedes Spielers, der sie spielt nimmt,
dann ist jetzt in der Pressenda ein Stückchen von Angelo Branduardi,
eine gegenseitige Bereicherung.
Der Teil der klassischen Lieder geht weiter mit „La donna della
sera“, eine wunderschöne Überraschung für alle, die wie ich dieses
Lied seit den Zeiten von „Domenica und Lunedí“ nicht mehr gehört
haben, dann „Confessioni di un
malandrino", "Vanità di vanità", "La pulce d'acqua"... und zum
Schluß: „ Haben wir heute Nacht einen Mond?“ fragt er in das
Mikrophone. Nein, haben wir nicht. Dann singt er ihn für uns.
Die Nacht endet sehr spät: Nach dem Nachtmahl verabschieden wir uns
von Angelo um 2 Uhr, als er, zufrieden, in sein Auto steigt. Und was
ist mit den Braunduari-ans? Wir hatten uns schon beim Mittagessen
getroffen und geplaudert. Schon bevor wir die Bran.-ans erwähnen
konnten... sprach Angelo von uns und schickt seine Grüße an alle. Es
tut ihm sehr Leid, dass seine Französischen Freunde in Guincamp
umsonst auf ihn warten mussten. Doch die Lauda wird bald zu ihnen
kommen.J
Eine herzliche Umarmung für Adele, ihre Freunde, für Laura Z. und
besonders für Micci und Michelangelo, außergewöhnliche Gefährten für
Wein und Abenteuer. J
Eine Umarmung für euch alle!
Alessandra Mazzucco
Translation: Elke Quednau
|